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Willi Lemke in Wedel bei "Fredenbeck trifft...."

Willi Lemke: Ich mache mich für die Schwachen stark

 

Von Hans-Lothar Kordländer

 

Im Rahmen der Reihe „Fredenbeck trifft…“, ins Leben gerufen von der  Geest Landtouristik Fredenbeck e.V. und Gewerbetreibenden in der Samtgemeinde Fredenbeck, war diesmal der Bremer Politiker und Sportfunktionär Wilfried (Willi) Lemke zu Gast. Die Veranstaltung fand statt in der Wedeler Tischlerei Kammann.

 

Willi Lemke erzählte flammende Statements, referierte zum Teil emotional  über Erlebnisse seiner vielfältigen Arbeit, aber sparte auch nicht mit Kritik an Sportlern, Sportfunktionären und Politikern. Insgesamt servierte er den über 130 Gästen in der zum Hörsaal umfunktionierten Tischler-Werkstatt einen kurzweiligen Abend mit vielen Informationen. Wieder einmal hatten die Fredenbecker somit den „richtigen“ Referenten eingeladen. Die Schirmherrschaft hatte wieder Fredenbecks Samtgemeindebürgermeister Ralf Handelsmann übernommen.

 

Willi Lemke ist ein Politiker und Sportfunktionär mit Leib und Seele. Das war bei der Beantwortung der Fragen von May-Britt Müller und Axel Panknier  sowie in Lemkes umfassenden Ausführungen zu spüren. Insbesondere als Sonderberater für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon erlebte er nach eigenen Worten das Elend  gerade von Jugendlichen in vielen Ländern.

 

Der heute 73-Jährige war 17 Jahre Manager des Bundesligavereins Werder Bremen und neun Jahre Senator für Bildung und Wissenschaft sowie für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen. Seit jungen Jahren ist er Mitglied der SPD. Auch hat er ein Buch geschrieben: „Ein Bolzplatz für Bouaké“. In Wedel machte  Lemke unumwunden klar, wie der Sport die Welt verändern könne und warum er sich gerade für die Schwachen stark mache.

 

Das Wechselgeld der Eintrittsgelder wurde noch in einem Schuhkarton aufbewahrt, als Lemke bei Werder Bremen seine Managertätigkeit aufnahm. „Das habe ich dann aber schnell geändert.“ 14 Jahre hat Lemke  zusammen mit Trainer Otto Rehhagel zusammengearbeitet. „Ich habe Otto nie in dessen sportlich Arbeit hineingequatscht“, betonte Lemke. Alle hätten den Trainer in jeglicher Form unterstützt. „Solidarität wurde im Verein damals groß geschrieben.“ In 17 geilen Jahren hätte er mit Werder Bremen  sechs große Titel gewonnen.

 

Dann wollte Willi Lemke mal etwas anderes machen. Er bewarb sich bei der SPD für die Mitarbeit in der Politik. Neun Jahre sei er Senator gewesen. Danach hatte er vor, Bürgermeister der Hansestadt zu werden. „Doch da wurde ich nicht gewählt.“

 

Nach der politischen Laufbahn in Bremen wurde Lemke Sonderbotschafter der Vereinten Nationen. „Ich habe immer noch Kontakt in viele Teile der Welt“, so der Bremer. Bei der Arbeit für die Vereinten Nationen habe er viel Elend gesehen. Doch seine Devise lautete dennoch: „Verspreche nie etwas, was du nicht halten kannst.“ Lemke machte deutlich: „Viele Menschen von uns in Deutschland wissen gar nicht, wie gut es uns geht in unserer Demokratie, die natürlich auch ihre Schwächen hat.“ Man könne in Freiheit und Wohlstand leben.

 

Kritik über den Sport übte Lemke mit seiner Aussage: „Heute wissen viele Funktionsträger nicht mehr, was an der Basis passiert.“ Und es würden ihnen deswegen auch die richtigen Ideen fehlen, da nur noch das große Geld zählt. Und auch an die Politiker appelliert Lemke: „Die Gewählten müssen sich um die Themen ihrer Wähler kümmern und eigene Interessen bezüglich ihrer Karriere zurückstellen, sonst laufen ihnen die Wähler und damit die Bürger weg.“ Politiker dürften nicht auf ihre Wähler schimpfen, sie sollten sich stets an ihre eigene Nase fassen. „Es gibt immer weniger Politiker, die der Schwarm von Schwiegermüttern sind.“

 

In der Zeit, als Lemke Werder-Manager war, besuchte ihn 1988 eine Gruppe Fredenbecker Jugendlicher im Rahmen der damaligen Aktion Ferienspaß. Alle, die damals dabei waren, lud er ein, wieder nach Bremen zu kommen, um das sich veränderte Weser-Stadion noch einmal zu besichtigen. "Die Vereinsführung von Werder Bremer wird sicherlich nichts dagegen haben“ meinte er. Ein Termin müsse noch abgemacht werden. Anmeldungen sollen über die Geest Landtouristik gehen.

 

 

Foto: Willi Lemke und die Moderatoren Axel Panknier, May-Britt Müller und Uli Koch